Sonntag, 5. Februar 2012
Billion $ Questions.
Hier ein paar Fragen, die sich für mich in den letzten Wochen und Tagen beantwortet haben:
1. Was bringen neue Trainingsreize?
Zugegeben, diese Frage klingt doch echt banal, oder etwa nicht? Aber bei genauerer Betrachtung zeigt es sich, dass sie so banal nun doch nicht ist. Jeder weiss, dass neue Trainingsreize Fortschritt versprechen. Aber nur die wenigsten fragen sich, was auf dem Weg zum Fortschritt so alles passieren kann. Die Belastung durch neue Trainingsreize wird meist unterschätzt - oft mit fatalen Folgen. Alles, was neu ist, muss der Körper schliesslich erst einmal erlernen und verkraften.
Meine neuen Trainingsreize, welche ich bewusst erst nach der Abgabe der Wildcard ins Trainingsgerüst eingebaut habe, führten mir sehr schnell vor allem eines vor Augen: Neue Belastungsakzente bringen einen erhöhten Ermüdungsgrad mit sich. Die Folge: Das bekannte Erholungsmuster kam ganz gehörig durcheinander und ich musste erst herausfinden, wie viel vom Neuen genug war.
Nun, meine Wildcard hatte ich ja abgegeben, also musste ein alternatives Konzept her. Ich nenne es Finetuning! Es bedeutet nichts anderes, als während ca. drei Wochen die Belastung durch die neuen Reize nur so schrittweise zu erhöhen (oder im Extremfall auch zu reduzieren), dass der Körper auch die Chance hat, sich bis zum nächsten Tag wieder davon zu erholen. Dazu gehört Geduld und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Diese Phase ist jetzt abgeschlossen und so können die neuen Reize ihre Wirkung entfalten. Wieviel es bringen wird, das ist dann auch schon die nächste Billion $ Question, welche sich bei den ersten Wettkämpfen beantworten wird.
2. Wer punktet big time beim Superbowl?
Bis zu 130 Millionen Amerikaner werden heute vor dem Fernseher sitzen und sich den Superbowl zwischen den New England Patriots und den New York Giants anschauen. Letztere habe übrigens die San Francisco 49ers eliminiert - in der Overtime - und deswegen werde ich für die Patriots cheeren!
Die Billion $ Question ist aber nicht, wer das Spiel gewinnen wird, sondern wer in den Spielpausen die geilste Werbung macht und so bei den Zuschauern punktet. Insgesamt geben die werbenden Unternehmen alleine für die Ausstrahlung ihrer Spots 250 Millionen $ aus. Und sie produzieren extra für dieses Ergeignis sogenannte Game Day TV-Spots. Hier meine drei Favoriten:
3. Wird es je wieder ein Val Halen-Album geben?
Insider erinnern sich. Die Van Halen-Brothers mobben Samy Hagar aus der Band und holen David Lee Roth zurück. Dann tingeln sie während fast dreier Jahre durch die Arenen und spielen die alten Songs. Eddie bleibt trocken, sein Sohn Wolfgang (damals 17 Jahre alt) wird der neue Bassist und ersetzte somit den fantastischen Michael Anthony. Aber nur immer altes, nichts neues. Würde es je wieder ein magisches Van Halen-Album geben?, war meine Billion $ Question der letzten drei Jahre.
Am 3. Februar war es soweit: Bumm, da war es, wie aus dem Nichts! Trotz allem, ich war super skeptisch. Würde der durchgeknallte David Lee Roth meinen Helden Samy wirklich ersetzen können? Wie frisch können die Jungs denn heute noch klingen?
Heute Morgen wurden mir diese Fragen beantwortet. Oh my God - was für ein Hammer-Album: A different Kind of Truth knallte mich vom Hocker. Ich musste es drei Mal hintereinander hören. Kostprobe gefällig?
4. Wie geht man mit 50° Temperaturunterschied um?
Kleiner Teaser auf den nächsten Blogeintrag :-)!
Samstag, 14. Januar 2012
Wildcard adieu!
Doch in den kommenden Wochen geht es um viel mehr, als nur einen Halbironman vorzubereiten. Wie es sich gehört, habe ich die Saison 2011 analysiert und meine Stärken uns Schwächen neu bewertet. Besonders wichtig war dabei, die Vorbereitung auf den Ironman Cozumel und deren Auswirkung auf das Rennen genau unter die Lupe zu nehmen, hatte ich doch einige neue Elemente ins Training eingebaut:
- Schwimmen: Ausdauereinheit umfangmässig bis auf 5 km erhöht, davon bis zu 4.6 km mit Paddles aber ohne Pull-buoy (non-wetsuit race!)
- Rad: Mehr lange Steigungen - Sattelegg und Ibergeregg mindestens einmal, manchmal sogar zweimal pro Woche
- Laufen: Steigerung des Umfangs auf bis zu 85 km pro Woche mit Schwerpunkt Kraftausdauer - Bergläufe und Bergintervalle, double run einmal pro Woche
Es scheint, dass sich alle diese neuen Trainingselemente bewährt haben. Trotz Schwimmen ohne Neo konnte ich meine Bestzeit auf 54 Minuten verbessern. Auf dem Rad fuhr ich stark und führte beim 2. Wechsel. Beim Laufen hielt ich trotz heissen Bedingungen durch und lief immerhin die 9. Zeit in meiner AK. Allerdings war der Leistungsabfall auf der 2. Marathonhälfte immer noch zu gross.
Ausdauermässig bin ich top, was den Speed angeht flop. Aber beim Ironman geht es meiner Meinung nach nicht um den Speed per se, sondern darum, gleichmässig bis zum Schluss laufen zu können. Und das bedeutet: die muskulären Voraussetzungen müssen geschaffen werden, will heissen, die Kraft muss bis zum Schluss reichen. Auf dem Rad und erst recht beim Laufen.
So werde ich auf reines Speedtraining verzichten. Simon Withfields Coach hat gesagt: Working on your speed kills you if you don't have it! Ich denke, das gilt besonders für Athleten im fortgeschrittenen Alter. Also kein Bahntraining mehr, dafür viele, viele Intervalle im oder etwas unter der angestrebten Marathon- und Halbmarathon-Kilometerzeit. Die Muskulatur wird es mir danken! Und auf dem Rad werden Berge eine zentrale Rolle einnehmen.
Alle neuen Anpassungen in meinem Trainingsgerüst (Plan ist mir zu definitiv!) führen auch wieder zu unterschiedlichen Belastungen der Systeme und des Bewegungsaparats. Deshalb gibt es weiterhin eine gewisse Flexibiltät, bis ich die Auswirkungen besser kenne. Aber das dürfte in gut 10 Tagen der Fall sein. Dann sollte es auch keine Überraschungen, wie z.B. Füdlimuskelkater oder Blei in den Beinen mehr geben.
Es zahlt sich in jedem Fall aus, wenn das Training für die neue Saison in den ersten 3 - 5 Wochen eher konservativ gestaltet wird - obwohl die Motivation einem eher zum Gegenteil treibt. Was nützt es schon, wenn man schon im Februar Bäume ausreissen könnte und dann, wenn es drauf ankommt schon wieder leere Schläuche hat? Jetzt ist übrigens auch ein guter Zeitpunkt um seine Körper wieder etwas besser kennen zu lernen und in sich hinein zu hören. Und mit anstatt gegen den Körper zu arbeiten.
Wem das Schwierigkeiten bereitet, der kann selbstverständlich diese Verantwortung für den eigenen Körper weiterhin delegieren. Es gibt ja viele tolle Wundermittelchen, die sehr vielversprechend sind. Und wem sein Training jetzt schon Bauchschmerzen oder gar einen Blähbauch bereitet, für den hat Maria Walliser den ultimativen Tipp:
Dieser Dialekt: Sooo schöööön!
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Training mit Wildcard.
Noch keine drei Wochen ist es her, seit ich in Cozumel die Flucht nach vorne angetreten habe und schon einmal während rund acht Stunden "Führungsluft" schnuppern durfte. Fehlen also noch gut zwei Stunden um auch einmal als erster durchs Ziel zu gehen! Viel Arbeit, schon, aber was wichtiger ist sind die grossartigen Momente, die sich beim Arbeiten immer wieder ergeben.In den zwei Wochen nach dem Ironman habe ich mich erstaunlich schnell erholt. Kaum zu glauben, denn erst konnte ich drei Tage lang wirklich fast nicht gehen. Einmal zu hause angekommen verschwand der Muskelkater schlagartig und schon bald kam die Lust auf Bewegung zurück. Ich befriedigte diese Lust erst einmal mit ein paar kurzen, lockeren Schwimmeinheiten. Als dann meine Beine beim Bierathlon tadellos funktionierten, entschloss ich mich, wieder mit dem Training zu beginnen.
Leider sind ja die Schneeverhältnisse ziemlich schitter und so ist Langlaufen in der Region im Gegensatz zum letzten Jahr nicht möglich. Also back to the roots und erst einmal swimbikerun wieder ankurbeln - und natürlich auch das Eisen nicht vergessen.
So kams, dass ich am Montag um 07:15 Uhr im Hallenbad Adliswil die Ironman-Pause definitiv beendete und in den Off-season-Modus wechselte. Bekanntlich halte ich ja wenig vom langsamen Herumschleichen, bei dem recht schnell viele sportspezifischen Fähigkeiten verloren gehen. Im Gegenteil: ich arbeite gezielt an diesen Fähigkeiten in kurzen, konzentrierten und sehr zielorientierten Workouts. Sogar Laktattoleranz steht auf dem Programm. Ironman-Legende Lou Hollander, 81, meinte einmal, zu seinem Erfolgsrezept befragt: Ich gehe in jedem Training einmal über die Laktatschwelle!!
Speziell so kurz nach einem Ironman und in der Off-season generell trainiere ich aber nicht stur nach Plan, sondern mit einer Wildcard. Je nach dem, was mein Körper mir signalisiert, setze ich sie ein: ein Tag Pause, kürzere Intervalle, tiefere Intensität - was immer sich richtig anfühlt, ist erlaubt. Verboten sind Einheiten, die wirklich schmerzen oder zu erschöpfend sind. Alles zu seiner Zeit.
Training mit Wildcard macht wirklich auch Spass, denn wenn ich sie jetzt zücke, habe ich weder ein schlechtes Gewissen, noch kompromitiere ich meine Trainingszielsetzungen - im Gegenteil. Und wenn dann fertig ist mit Off-season geht die Post schon wieder mächtig ab!!